Ich bin wieder da. Das Lager hatte seine Höhen und Tiefen, wie könnte es anders sein. Der wichtigste Punkt, ist allerdings folgender: Es gibt keine Auszeit! Gedanken lassen sich nicht stoppen, sie lassen sich nicht vergessen oder verdrängen. Immer wieder während dieser Woche, gab es Zeitpunkte, in denen mir alles zu viel war, in denen ich nicht wollte und am Rand der Verzweiflung stand. Es gibt keine Auszeit von Gedanken. Die Zweifel, Sorgen und Ängste verschwinden nicht.

Ich habe nicht geweint, aber es wäre eine Lüge, zu behaupten, es nicht gewollt zu haben.
Ich dachte von mir ich sei stark, ich war überzeugt, viel auszuhalten, Fehlannahmen. Ich war ständig am motzen, habe über dies und das geklagt, es war zu kalt, zu warm, der Schnee war nicht gut genug, blablabla und so weiter. ~Mit etwas Abstand betrachtet, muss ich zum kotzen sein.~

Ich habe viel gelächelt, extrem viel. Ich wollte den andern irgendwas geben, auch wenn es nur ein Lächeln war. Reden konnte ich weniger, da ich, gerade zu Beginn, extrem heiser war.

Während dieser Woche habe ich so viel Hass gespührt. Hass auf mich und Hass auf all die anderen. Ich bin selbst geschockt wie sehr ich mir und den anderen den Tod gewünscht habe, wie viel Wut in mir war.

Es gab auch tolle Momente, ich habe neue Leute kennengelernt, ich habe mich mehr getraut als normal. Ganz kleine Dinge eben. Ganz ehrlich, ich finde die guten Momente in meinen Erinnerungen bereits nicht mehr. Die Wut auf meine Zimmergenossen oder auf die Leiter, der Zorn über mich und mein Versagen, die Aggressionen gegen meine Skigruppe. ~Und ich hatte mir eingebildet, dass Lager würde eine Auszeit.~

Meine Arme hatten Zeit zu verheilen und sie sehen wirklich recht heil aus. Meine Beine sind jedoch mit Muskelkater und blauen Felcken bestraft worden. Ich kann wieder halbwegs sprechen und ich huste nicht ununterbrochen, nur genug um meine Bauchmuskeln fitt zu halten. ~Irgendwie bin ich erleichtert, daheim zu sein, da zu sein, wo ich entscheide, was ich wann mache.~

Ich mach mich dann mal dran, all die verpassten Einräge anderer zu lesen.

Und so der Knopfkopf spricht, Auszeiten existieren nicht.~KAIJU~

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